Geschichte:
Auszug von der Homepage http://www.vdst-dresden.de/
Deutschland um 1880: In weiten Kreisen des deutschen Bürgertums, das die nationalstaatliche Bewegung des 19. Jahrhunderts getragen hatte, war nach der Reichsgründung im Jahre 1871 das hohe Bewußtsein der Erfüllung, zugleich aber auch eine gewisse innere Leere entstanden. Die fortschrittliche politische Theorie begann zu erlahmen, nachdem die Spannung zwischen Idee und Realität gewichen war. Weite Kreise der Bevölkerung des Deutschen Reiches verharrten in dem überlieferten kleinstaatlichen Denken, von Nationalgefühl konnte kaum die Rede sein.
Ein grosser Teil der Studentenschaft stand dem politischen Geschehen völlig gleichgültig gegenüber. Die Beschäftigung mit Politik war auch bei den studentischen Korporationen und Verbindungen verpönt. Dem Unbehagen über diesen Zustand verdankt die Kyffhäuserbewegung der Vereine Deutscher Studenten ihren Ursprung. Die jungen Studenten, die sich zu Beginn des Jahres 1881 in Berlin, Halle, Leipzig und Breslau trotz mancher Widerstände akademischer Behörden zu den ersten Vereinen Deutscher Studenten zusammenschlossen, wollten diese politische Lethargie überwinden, der äußeren Einigung Deutschlands durch Bismarcks kluge Realpolitik die innere Einigung folgen lassen. Die Ziele der Vereine zeigten sich besonders deutlich auf dem ersten Kyffhäuserfest, zu dem sich unter der Führung der Leipziger und ihres Vorsitzenden Diederich Hahn am 6. August 1881 etwa 800 Studenten zusammenfanden. Die Reden des Tages lassen erkennen, worum es dieser studentischen Jugend ging: es war ihr um die Begründung eines neuen, die Parteien und die gesellschaftlichen Gegensätze überwindenden Nationalgefühls zu tun. Im gemeinsamen Gespräch haben Hahn und sein Freund Friedrich Naumann die Frage erörtert, wie man zu einem deutschen, christlichen und sozialen Weltbild kommen konnte.
Die ersten Vereine wollten keine neue Korporation neben den bereits bestehenden bilden, "nicht einen Verein in der Studentenschaft, sondern die deutsche Studentenschaft selbst", wie man es einmal formulierte. So erklärt sich auch der Name "Verein Deutscher Studenten"; Korporierte und Nichtkorporierte fanden sich hier zusammen. Deshalb wählte man auch unter Ablehnung von Band und Mütze die Farben des Reiches "Schwarz-Weiss-Rot" als alleinige Farben jedes einzelnen VDSt und des neuen Verbandes, der am 8. August 1881 gegründet wurde. Ihm gehörten die damals bestehenden VDSt Berlin, Greifswald, Halle-Wittenberg, Kiel, Leipzig und Charlottenburg an.
In den folgenden Jahren wurden an zahlreichen deutschen Hochschulen Vereine Deutscher Studenten gegründet, darunter auch am 13. Juni 1895 in Dresden. Die erste Aufgabe war die Zusammenarbeit mit den studentischen Verbindungen in Prag und die Unterstützung der dortigen deutschen Universität. Bereits 1902 war der Dresdner Bund schon so kräftig, dass er den Vorort (Vorsitz im Verband für ein Jahr) übernehmen konnte. Aber auch an der Dresdner Hochschule standen die VDSter in führender Position und waren in politischen und nationalen Fragen nicht nur bestens unterrichtet, sondern für die Meinungsbildung in der Studentenschaft als richtungs- und massgebend geachtet.
Drei Jahre später erwarb der VDSt Dresden das Haus in der Wielandstrasse, in dem sich das Bundesleben bis 1914 prächtig entwickelte.
Die folgenden turbulenten Zeiten gingen natürlich auch am Dresdner VDSt nicht spurlos vorrüber. Aus dem Ersten Weltkrieg kehrten 16 Bundesbrüder nicht zurück. Im Jahre 1918 lief der Studienbetrieb an der TH Dresden wieder an, und damit auch das Bundesleben.
Im politisch wie wirtschaftlich zerrütteten Deutschland der Weimarer Zeit fanden radikale politische Ansichten bei den national eingestellten Verbindungsstudenten einen guten Nährboden. Die Rolle des VVDSt in dieser Zeit muss aus heutiger Sicht als unehrenhaft und ablehnenswert bezeichnet werden, da sich zahlreiche Mitglieder unkritisch von der antisemitischen Ideologie des Nationalsozialismus haben vereinnahmen lassen. Obwohl solche Gedanken - zumindest latent - in der Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts weitverbreitet waren, ist nicht von der Hand zu weisen, dass VDSter dieser unheilvollen Entwicklung Vorschub geleistet haben.
Nach der Machtergreifung der NSDAP im Jahre 1933 erging es dem VDSt wie allen übrigen Studentenverbindungen. Im Rahmen der Gleichschaltung wurden sie bis 1938 alle aufgelöst. Einzelne Mitglieder schlossen sich dem NS-Studentenbund an.
| Im Bewusstsein der eigenen Vergangenheit und der in den letzten Jahren wieder zunehmenden rechtsextremen Gewaltakte bemüht sich der VDSt Dresden, die politische Bildung zu fördern und steht für die freie demokratische Grundordnung, die europäische Integration und die Menschenrechtskonventionen ein.|
Nach 1945 konnte Bundesbruder E. Linke mit fast hundert der ehemals 163 Bundesbrüder (1936) von Niedersachsen aus wieder Kontakt knüpfen. Der Zusammenhalt wurde enger durch persönliche Beziehungen und Besuche. In der DDR war ein Neubeginn auf Grund der politischen Verhältnisse ausgeschlossen. Deshalb schloss man sich nach und nach dem Braunschweiger Bund an. Der direkte Zusammenschluss der beiden VDSt wurde am 22. Mai 1955 vereinbart. In den Folgejahren blieb der Zusammenhalt der Dresdner Bundesbrüder bestehen, der unter anderem in den jährlichen Treffen bei Bad Tölz seinen Ausdruck fand.
Die politische Wende im Osten brachte auch für den VDSt Braunschweig-Dresden neue Möglichkeiten mit sich. Schnell fanden sich um H. Henke interessierte Studenten, die am 10. Mai 1991 in Dresden eine Aktivitas wiedergründeten. Charakteristisch für diese Zeit war vor allem die noch sozialistisch geprägte idiologische Haltung der Studentenschaft im Osten, die viele der damaligen Veränderungen mit Skepsis und Zurückhaltung aufnahmen und kaum Engagement zeigten. Der VDSt als eine der ersten neuen oder wiedergegründeten studentischen Verbindungen in Dresden begegnete dieser Lethargie von Anfang an mit vielen Vorträgen und Informationsveranstaltungen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen, genauso wie zu den das Studentenleben direkt betreffenden Veränderungen.
Anfangs nur mit einem winzigen "Clubraum" als Treffpunkt, konnte 1994 durch den Erwerb des Hauses in der Westendstrasse die Grundlage für ein blühendes Bundesleben gelegt werden.