Geschichte:
Gründerjahre
Die Prager Burschenschaft Arminia hat ihren Ursprung in der Tischgesellschaft Campia. Diese bildete sich durch den Zusammenschluß der Abiturienten des Jahrgangs 1879 der II. deutschen Staatsrealschule in Prag, deren Schulgebäude sich auf der Insel Campia am linken Moldauufer in Prag befand. Am 12. Oktober 1879 fand das erste Treffen statt, der 23. November 1879 wurde der satzungsgemäße Gründungstag. Erster Obmann war Max Kreß. Nach mündlicher Überlieferung soll er der Neffe des Marcomannen Kreß sein (Burschenschaft Marcomannia Prag 1848, Farben schwarz-weiß-blau) (1) und eine Burschenschaft als Nachfolgeorganisation geplant haben.
Der Weg zur Burschenschaft erfolgte schrittweise. Aus dem "Geselligkeitsverein deutscher Studenten Campia" wurde eine Verbindung (10. Juli 1880). Am 23. Oktober 1880 wurden der Name "Verein deutscher Studenten Campia" und das schwarz-weiß-blaue Band (die Marcomannenfarbe) angenommen (davor trug man ein blau-silber-gerändertes Band). Am 4. Mai 1881 wurden der Fechtzwang und das Tragen blauer Kappen beschlossen, am 19. Oktober 1881 die unbedingte Annahme von Forderungen.
Die Erklärung zur "Konservativen Polytechnischen Burschenschaft Arminia" erfolgte am 2. November 1881.
Am 13. Dezember 1881 hat Wilhelm Scholz die erste Schlägermensur der Arminia gegen einen Prager Teutonen auf Waffen der Burschenschaft Alemannia Prag ausgetragen.
Am 6. Juli 1882 erklärte sich die Arminia zur "Prager Burschenschaft Arminia". Von nun an konnten neben Hörern der Technischen Hochschule auch Studenten der Karls-Universität aufgenommen werden. Am 7. Dezember 1881 wurde beschlossen, alle bis zum Zeitpunkt der Bestätigung der bei der Behörde eingereichten Satzung im Verband befindlichen Mitglieder als Gründungsmitglieder zu betrachten. Gründungsburschen, die Arminia bis zu ihrem Tode die Treue hielten, sind daher Josef Czaja, Max Kreß, Joseph Piesen, Heinrich Reinitzer, Ottokar Ritter, Josef Sobotka (alle Mitglieder der Tischgesellschaft), Johann Blaschke (aktiv ab 23. Oktober 1880), Gotthart Hruby (25. Oktober 1880), Wilhelm Scholz (13. November 1880), Anton Zebisch (9. Juli 1881).
Aufstieg und innere Festigung
Die achtziger und neunziger Jahre sind gekennzeichnet durch:
Übergriffe seitens der Tschechen (darunter die Schlacht von Kuchelbad 1881);
Scharfe Gegensätze im burschenschaftlichen Lager.
Die Auseinandersetzung zwischen den Burschenschaften Carolina und Teutonia und damit der Zwist unter den Burschenschaften wurde durch Eingreifen des Prorektors Rulf bereinigt, nachdem mehr als 100 Säbelforderungen gefallen waren.
Der gute Waffenruf, den sich die Prager Burschenschaft Arminia erworben hatte, und die überaus günstigen Resultate der zahlreichen Säbelmensuren bewogen die Arminen, da eine Mißdeutung der diesem Schritte zugrunde liegenden Beweggründe der Sachlage nach ausgeschlossen war, einen ganz selbständigen Schritt zu unternehmen, um dem Unwesen der grundlosen schweren Säbelforderungen entgegenzusteuern. Im November 1892 wurde der Beschluß gefaßt, nur in dem Fall Genugtuung auf schwere Waffen zu geben, wenn ein Ehrengericht die der Forderung zugrunde liegende Beleidigung als schwere anerkannt hat. Dieser Beschluß wurde veröffentlicht und fand die Billigung fast aller schlagenden Verbindungen; ja selbst in der in- und ausländischen Presse wurde er als vernünftig und zeitgemäß besprochen.
1895 wurde der Altherrenverband der Arminia gegründet. Nach der inneren Festigung gelang es nach der Jahrhundertwende, sich mit an die Spitze der Prager Burschenschaften zu stellen und in den Jahren 1909/10 die Führung im Prager DC zu erringen. Bereits eine Festschrift der Prager Burschenschaft Constantia hatte Arminia für die Zeit nach der Jahrhundertwende als eine der drei großen Prager Burschenschaften bezeichnet (neben den Burschenschaften Carolina und Teutonia). Von 1908 bis 1914 hatte Arminia stets mindestens 25 Aktive, meistens lag die Zahl über 30, im WS 1911/12 waren es 38 Aktive. Dazu kamen zahlreiche ortsanwesende Altburschen. Mit Ernst, gepaart mit Hingabe und Begeisterungsfähigkeit, erfüllten die Bundesbrüder den burschenschaftlichen Gedanken mit Leben. An die Spitze stellten sie die Forderung, daß jeder Aktive ein umfassendes politisches Allgemeinwissen erhalten müsse.
Arminia war von dieser Zeit an der führende akademisch-politische Bund in Prag, der aber auch das Fechten keineswegs vernachlässigte. Das äußerliche Ergebnis der verstärkten Arbeit im Innern war auch der Vorsitz im Verband der "Burschenschaft der Ostmark", so nannte sich der Dachverband der Burschenschaften in der K.u.K.-Monarchie, im Jahre 1913.
Wegen der ständigen Gefahr behördlicher Auflösung legten sich die Prager Burschenschaften ein "Reservecouleur" zu, eine nicht existente, aber angemeldete Korporation, um im Falle des Verbots unter diesem Namen weiterzubestehen. Das Reservecouleur der Arminia hieß "Germania", dann "Saxo-Bohemia", schließlich "Alt-Arminia".
Für die damalige Zeit war es beispielhaft, als 1913 der Bierkomment bzw. der Trinkzwang abgeschafft wurde.
In den zwanziger Jahren errangen die Arminen dadurch dann eine führende Rolle im Hochschulsport. Bei Meisterschaften in Dresden, Wien und Breslau waren sie erfolgreich. Turn- und Schwimmstunden waren für alle Aktiven verpflichtend.
Nationalitätenkampf in Böhmen
Besonders schwere tschechische Ausschreitungen ereigneten sich 1897/98, 1904 und 1908 (3). "Kleinere Übergriffe" waren an der Tagesordnung. Der Rektor der deutschen Universität, Rabl, prägte 1904 anläßlich dieser Ausschreitungen die Worte "Farbe tragen heißt Farbe bekennen".
1908 stand die Deutsche Universität einmal mehr im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. Durch die "Grabenschlachten" erreichten die Tschechen, daß die Grundsteinlegungsfeierlichkeiten zum Neubau des deutschen Universitätsgebäudes verboten wurden.
Eine tschechische Behauptung ist, der deutsche König (und künftige Kaiser) Karl IV, der auch König von Böhmen war, habe die Prager Universität 1348 nicht als deutsche Reichsuniversität, sondern als böhmische Landesuniversität gegründet (4).
Wegen nationaler Unverträglichkeiten beschloß das Wiener Parlament im Jahre 1882 die Zweiteilung der Universität in eine Deutsche und eine Tschechische Universität. Dabei wurde die Tschechische Hochschule gleichberechtigt neben der deutschen Universität als Rechtsnachfolgerin der von Karl IV. gegründeten Universität eingesetzt. Wie die Tschechen das Universitätsteilungsgesetz zu ihren Gunsten außer Kraft setzten, wird unten dargestellt.
Befreundete Burschenschaften
Von Jenaer und Leipziger Burschenschaften war der burschenschaftliche Gedanke 1818 nach Prag getragen worden. So ist es nicht verwunderlich, daß die ersten Kontakte der Arminia zu Burschenschaften im Reich mit Germania Leipzig, Germania Tübingen, Teutonia Jena, Germania Erlangen und Allemania Heidelberg (Jenenser Mützenformat der Arminia!) bestanden. Bb. Karl Scholz strebte eine feste Bindung mit dem Süddeutschen Kartell (SK) an. Mit Germania Erlangen besteht bis zum heutigen Tag eine intensive Freundschaft. Aufgrund ihrer gesamtdeutschen Zielsetzung, die sich durch die Nähe zu den Hochschulen in Sachsen und Bayern schon frühzeitig ausprägte, wollte die Arminia Beziehungen zwischen den Burschenschaften in Deutschland und Österreich herstellen. Eine ausschließliche Bindung an die Burschenschaft der Ostmark hätte dieses Vorhaben erschwert. Daher wurde erst 1896 ein offizielles Verkehrsverhältnis mit Allemannia Graz und Bruna Sudetia Wien, 1898 ein solches mit Libertas Brünn abgeschlossen. Das Ergebnis der von den Arminen eingeschlagenen Richtung war die "große Arbeitsgemeinschaft" VV(OB)-SK Arbeitsgemeinschaft Alemannia Stuttgart / Cheruscia Dresden aus dem Jahr 1925.
Verkehrsburschenschaften der Arminia waren auch Glückauf Freiberg (ab 1899) und Glückauf Przibram (ab 1907), deren Umwandlung zur Burschenschaft die Arminia durch die Bundesbrüder Wenzel Schrems, Josef Demuth und Max Sasum ab 1907 entscheidend mit gefördert hatte. Auch der Burschenschaftserklärung von Glückauf Freiberg im Jahre 1898 waren Kontakte zur Arminia vorausgegangen.
Diese Verkehrsverhältnisse waren seit 1921 nicht offiziell, da nach der Satzung des Verkehrsverhältnisses Allemannia - Arminia - Bruna Sudetia - Libertas - Pappenheimer ein anderes Verkehrsverhältnis nur von allen Verkehrsburschenschaften gemeinsam abgeschlossen werden konnten. Seit dem Burschentag 1924 in Danzig führte das Verkehrsverhältnis der Burschenschaften Allemannia Graz, Bruna Sudetia Wien, Arminia Prag, Libertas Brünn und Pappenheimer Innsbruck ofiziell den Namen "Ostdeutscher Bund".
Für etwaige Reisen ins damalige deutsche Reich sind im Jahresbericht 1910/11 außer den schon Genannten weiterhin folgende Burschenschaften angeführt, mit denen die Arminen in einem befreundeten Verhältnis standen:
Cimbria und Germania Berlin, Germania Breslau, Rugia Greifswald, Germania Halle, Dresdensia Leipzig, Rhenania und Stauffia München, Alania Aachen, Germania Braunschweig, Germania Danzig und Germania Darmstadt.
Im Prager DC bestanden engere Beziehungen mit Ghibellinia.
Zwischen den Weltkriegen
Während der Exkneipe am 28. Juni 1914 am "Schipkapaß" verbreitete sich die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand Este in Sarajewo. Die Folgen dieser Tat wurden lebhaft erörtert, und beim Heimweg konnte niemand ahnen, daß dies für viele Bundesbrüder ein Abschied für immer war.
Am 19. Februar 1920 wurde von der ernannten "Verfassungsgebenden Nationalversammlung" der Tschechoslowakischen Republik, der kein Vertreter der deutschen Gebiete Böhmens angehörte, das "Lex Maresch" beschlossen, wodurch das oben bereits angesprochene Universitätsteilungsgesetz von 1882 aufgehoben wurde. Per Gesetz wurde nun dekretiert, der römisch-deutsche Kaiser Karl IV. habe die Prager Universität 1348 ausschließlich als böhmische Landesuniversität gegründet. Demgemäß erhielt die tschechische Universität den Namen "Karlsuniversität", während man der deutschen Universität diesen Namen entzog und ihr Gründungsdatum auf das Jahr 1882 festsetzte. "Folgerichtig" verlangte nun die tschechische Universität von der deutschen die Herausgabe der Insignien.
Durch die angespannten politischen Verhältnisse in der neugegründeten Republik konnten die Prager Burschenschaften erst 1919 wieder ihren Betrieb aufnehmen und daher auch nicht an dem Burschentag teilnehmen, der die Vereinigung der Deutschen Burschenschaft mit der Burschenschaft der Ostmark zur (diesmal Gesamt-) Deutschen Burschenschaft brachte. Vorsichtshalber mußte sogar mit der Brünner und Tetschener Burschenschaft die Burschenschaft der Sudetenländer gegründet werden.
Auf Veranlassung der Korporationen wurde der Deutsche Studentenausschuß gegründet, der später in die Deutsche Studentenschaft umgewandelt wurde, die ihrerseits zusammen mit den Studentenschaften von Brünn und Tetschen der IX. Kreis der Deutschen Studentenschaft wurde.
Ein weiteres Zeugnis des Blühens der Arminia war das große 50. Stiftungsfest, das 1929 in Karlsbad gefeiert wurde. An ihm nahm eine große Anzahl von Gästen teil, selbstverständlich die Rektoren der beiden Prager Hohen Schulen und etwa 250 Arminen.
1931 chargierte Arminia zusammen mit Teutonia Prag auf dem Sudetendeutschen Tag in Dresden, der sich einer großen Beteiligung erfreute. Dies war wohl die erste Veranstaltung dieser Art auf reichsdeutschem Gebiet.
Im Herbst 1933 verbot der tschechische Staat die Deutsche Studentenschaft sowie jegliche Mitgliedschaft in einem Verein oder Verband, der seinen Sitz nicht in der Tschechoslowakei hatte. Nach außen mußte aus diesem Grund die Mitgliedschaft in der Deutschen Burschenschaft abgebrochen und die Burschenschaft der Sudetenländer wieder aktiviert werden.
Auch das Fechten wurde nun sehr riskant, da ein bereits bestehendes Verbot verschärft wurde. Bis dahin war es als sportlicher Wettkampf toleriert worden. Da zu befürchten war, daß das Fechten ganz unmöglich würde, wurde als allfälliger Ersatz 1934 für alle Bundesbrüder bis zum 6. Semester der Eintritt in die Akademische Segelflieger-Gruppe verpflichtend gemacht.
An die Stelle der 1933 aufgelösten Deutschen Studentenschaft trat 1936 die Deutsche Hochschülerschaft. Arminia stellte mit Hans Krail 1937 den stellvertretenden Vorsitzenden und 1938 den letzten frei gewählten Vorsitzenden.
Die letzte Mensur der Arminen in Prag fand am 17. und 18. Mai 1938 statt. Eine Partie der Arminen wurde sistiert, eine ausgepaukt, eine Abfuhr wurde bezogen, fünf wurden ausgeteilt. Die Fechtgesamtaufstellungen zeigen, daß Arminia das in der Gründerzeit eingesteckte Minus bald aufholte. Bereits 1885/86 hatte man sich fechterisch mit an die Spitze der Prager Burschenschaften gesetzt. Bei aller Fragwürdigkeit solcher Aufstellungen - nicht das Ergebnis, sondern die Haltung bei der Mensur zählt, so hatte auch der Prager DC die Blutigenzählung 1910 abgeschafft - läßt sie doch den Schluß auf Waffenfreudigkeit und -geschick zu. In den zwanziger Jahren waren die Arminen Hämmerle Litsch und Göpfert Will "Starfechter" in Prag. Eine Traditionshatz bestand mit den Prager Carolen und den Teutonen.
Nach Kriegsende erfolgte dann die systematische Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland und Böhmen.
Die Deutsche Karl-Ferdinand-Universität und die Deutsche Technische Hochschule in Prag wurden gestürmt und später verboten. Zahlreiche Professoren wurden erschlagen oder brachten sich in großer Verzweiflung selbst um. Viele Hochschullehrer wurden interniert.
Burschenschaft und Hochschule
Dr.med. Franz Lucksch lehrte ab 1914 pathologische Anatomie. 1938 wurde er entpflichtet, da er mit einer Jüdin verheiratet war.
Dipl.-Ing. Friederich Lieber war in den zwanziger Jahren an der Prager Technischen Hochschule Dozent für Wildbachverbauung.
Dr.phil. Karl Lauer lehrte in den dreißiger Jahren an der Prager TH Chemie. Später hatte er Professuren in Kyoto und Alabama inne und war Zellstoffexperte bei der UNESCO in Rio de Janeiro. Auf diesem Forschungsfeld und der Fibertechnologie veröffentlichte er über 200 wissenschaftliche Arbeiten.
Ehrenbursch Prof. Dr.phil. Moritz Willkomm wirkte von 1874 bis 1892 in Prag auf dem Gebiet der Botanik. Sein bedeutendstes Werk war das umfassende Pflanzenbestimmungsbuch für die Flora Mitteleuropas und der iberischen Halbinsel, in Fachkreisen kurz "der Willkomm" genannt. Anläßlich des 12. Stiftungsfestes im Jahre 1891 gab Arminia eine Schrift von Moritz Willkomm heraus, betitelt "Aus meiner Studentenzeit", die eine getreue Schilderung der Verhältnisse in Leipzig von 1842 bis 1844 und insbesondere der Burschenschaft Kochei enthält, welcher Willkomm in diesen Jahren angehörte.
O. Prof. Dr.med. Wilhelm Scholz habilitierte 1902 in Graz bei Prof. Kraus. Unter seiner Leitung - erster Zentraldirektor - wurde das neue Landeskrankenhaus in Graz errichtet, seinerzeit das größte in Europa.
Dr.med. Karl Schreiner war aoProfessor in Graz (Dermatologie) und als Zentraldirektor Nachfolger von Scholz in der Leitung des Landeskrankenhauses.
Heinrich Breitenfelder war Professor für Orthopädie in Gießen, Direktor der Orthopädischen Klinik Kassel und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie.
An der Deutschen Technischen Hochschule Brünn lehrte Dr.techn. Franz Heinl (Kraftfahr- und Flugzeugwesen).
Ab 1919 hielt Dr.-Ing. Rudolf Posselt an der Montanistischen Hochschule Leoben Vorlesungen über "Mechanische Technologie und Verbrennungsmaschinen", von 1934-38 an der Technischen Hochschule Graz. Als o.Prof. lehrte er bis zu seiner Emeritierung 1957 Maschinenbaukunde, Technische Mechanik und Wärmelehre.
Dipl.-Ing. Erich Ressel war als Wirklicher Hofrat (Generalsrang) mit der Technischen Generaldirektion der gesamten österreichischen Salinen (Sitz in Wien) betraut und führte umfangreiche Modernisierungen durch, darunter erstmals die Ölfeuerung der Pfannenhütten in Europa.
Wiederbeginn in München
1948 fand durch den großen Einsatz des AH Krombholz (er ermittelte die Aufenthaltsorte der Bundesbrüder) in Regensburg das erste Arminentreffen nach dem Kriege statt. Bereits am 2. Juli 1949 wurde die Prager Burschenschaft Arminia neu gegründet und Bbr. Krombholz zum Altherrenvorsitztenden gewählt. Infolge des Einsatzes der Alten Herren Krombholz, Böhm und Herbert Schrems wurde am 27. April 1950 ein Abkommen mit der Burschenschaft Germania Erlangen getroffen. Danach erhielt die von der Arminia an die Germania verwiesenen Studenten alle Rechte von Bundesbrüdern. Außerdem sicherte Germania Erlangen zu, durch Abstellen von eigenen Bundesbrüdern die Prager Burschenschaft Arminia zu fördern. Das 72. Stiftungsfest fand 1951 in Erlangen statt, das 73. In Augsburg.
Infolge dieses Abkommens konnte am 15. November 1952 in München der Aktivenbetrieb wieder aufgenommen werden. Auf Verlangen der Münchener Burschenschaften mußte Arminia den Namen in "Münchener Burschenschaft Prager Arminia" ändern, da in München schon die Burschenschaft Arminia bestand. Auf die Forderung sich "Bohemia" oder "Moldavia" zu nennen, ging man seitens Arminia nicht ein. Die Chargierten des SS 1952 der Germania, unsere Bundesbrüder Gerhard Müller und Wegner sowie der entsandte Germane Hesse, waren die Chargierten des WS 1952/53 der Arminia. Der Sprecher des SS 1953, Rolf Hartmann, wurde ebenfalls von den Germanen zur Unterstützung abgestellt. Im Jahre 1954 ging je ein Prager Armine als Unterstützungsbursch nach Berlin bzw. Göttingen und eröffnete den Paukbetrieb bei den SK-Burschenschaften Teutonia Jena bzw. Gothia Königsberg.
1956 wurden für den Aktivenbetrieb Räume in der Rottmannstraße angemietet. 1960 übernahm Arminia, zusammen mit anderen Münchener Burschenschaften, die Patenschaft für den Kindergarten der Gemeinde St. Jakob bei Bozen.
Der Nachwuchs an jungen Studenten war bis 1960 besser, als angesichts der vielen in München seit jeher angesiedelten Verbindungen zu erwarten war. Eine Vertagung konnte dann durch zahlreiche Reaktivierungen verhindert werden. Später wurde aufgedeckt, daß die Münchener Burschenschaft Prager Arminia ein Anziehungspunkt für Studenten war, die aus Mitteldeutschland und vor allem den Ostgebieten stammten. Dieser Nachwuchsstrom mußte ab 1961/62 zwangsläufig versiegen.
Übersiedlung nach Bochum
Unmittelbar nach Bekanntgabe des 1961 gefaßten Beschlusses des Landtages von Nordrhein-Westfalen, in Bochum eine neue Universität alten Typs zu errichten, die aber auch die technischen Fächer umfassen sollte, bemühte sich die im Raum Rhein / Ruhr ansässigen alten Herren, unseren Bund an diese Universität zu holen. Der Grund dieser Bemühungen war nicht die Sorge um den Nachwuchs, uns ging es zu dieser Zeit in München nicht schlecht; ausschlaggebend war die Aussicht, an einer neuen hohen Schule unsere alten Prager Traditionen wieder voll zur Geltung zu bringen, denn in München mußten wir uns nach den dort herrschenden Gepflogenheiten richten.
Auf dem Stiftungsfest 1962 stellten deshalb die Bundesbrüder von Rhein und Ruhr den Antrag, an die Ruhr-Universität zu übersiedeln, der jedoch abgelehnt wurde. Erst als die Bemühungen um den Kauf oder den Bau eines Hauses in München scheiterten und der Nachwuchs ausblieb, beschloß der Generalconvent vom 25. Juli 1964 die Verlegung nach Bochum und gab einigen im Ruhrgebiet lebenden alten Herren den Auftrag, allein oder gemeinsam mit anderen Korporationen ein Haus zu errichten.
Im Burschenhaus Bochum, einer Gründung der VAB Bochum, fanden wir auch Partner für den gemeinsamen Bau des Carl-Schurz-Hauses, der auch von der Deutschen Burschenschaft entscheidend gefördert wurde. Mit Hilfe der VAB konnten wir auch ein vorläufiges Bundesheim am Spechtsweg einrichten, so daß wir mit Eröffnung der Vorlesungen der Ruhr-Universität am 1. November 1965 auch unseren Aktivenbetrieb eröffnen konnten. Bereits am 8. November 1965 fand die erste große Veranstaltung, der Eröffnungskommers, statt, der uns die beiden ersten Füxe brachte. Zu unserer Freude stellten sich auch in Bochum studierende Burschenschafter als Unterstützungsburschen ein - als erster ein Prager Ghibelline, dann ein Grazer Allemanne, im nächsten Semester stellten die Erlanger Germanen zwei Bundesbrüder ab, dazu kam noch ein Brünner Liberte uns ein Freiburger Saxo-Silese - so daß der Aktivenbetrieb voll lief und wir auch entsprechend und mit Erfolg keilen konnten. Hervorzuheben ist im Zusammenhang mit Hausbau und Förderung des Aktivenlebens der Einsatz der Alten Herren Hans Krail, Steiner, Glass, Reinl, Hartmann sowie der unermüdliche Kassenwart Herford.
1967 wurde der Grundstein zu unserem Haus gelegt, das wir bereits am 1. Oktober 1968 anläßlich unseres 89. Stiftungsfestes beziehen konnten. Der äußere Rahmen für eine der ersten studentischen Korporationen an der Ruhr-Universität war damit gegeben. Nun mußten wir uns auch bemühen, die führende Korporation zu werden. Im Hinblick auf die herrschenden Zeitströme hielten wir es für dringend geboten, uns auch in der Öffentlichkeit, vor allem der akademischen durchzusetzen. Wir führten das öffentliche Farbentragen wieder ein und erschienen als erste auf akademischen Feiern geschlossen im Couleur. Als wir noch während der Immatrikulationsfeier im Sommersemester 1967 aus Protest gegen die Rede des AstA-Vorsitzenden, der darin Rektor und Professoren in unqualifizierter Weise angriff, mit dem Rektor auszogen, lief dies durch die Presse und machte uns entsprechend bekannt.
Getreu der Prager Tradition bemühten wir uns, alle Bochumer Korporationen einschließlich des CV zu gemeinsamer Hochschulpolitik in einem Block zu vereinen. Es gelang auch, vereint mit anderen, die "Arbeitsgemeinschaft Bochumer Corporationen" (ABC) ins Leben zu rufen. Wie wichtig interkorporative Vereinigungen sind, zeigte sich auch in Bochum am 27. Mai 1968. Die "APO" verkündete einen allgemeinen Vorlesungsstreik und beschloß, am nächsten Tag das Rektorat zu besetzen, um es zu einem sogenannten „Zentrum des Widerstandes" im Ruhrgebiet umzufunktionieren. Zusammen mit Mitgliedern anderer Korporationen fanden sich allerdings einige unserer Bundesbrüder noch vor den APO-Studenten im Rektorat ein um die Besetzung zu verhindern. Tatsächlich kam es dann zu einem Handgemenge, das die APO dazu bewog ihr Vorhaben abzubrechen und zum Rathaus zu ziehen. Der Vorlesungsbetrieb an der Ruhr-Uni konnte störungsfrei fortgesetzt werden.
Hochschulpolitik war schon immer ein Hauptanliegen der Prager Arminia, so auch in Bochum. Zahlreiche Bundesbrüder betätigten sich in Fachschaften und im Studentenparlament, zeitweise stellten wir den stellvertretenden AstA-Vorsitzenden.
1970 entsandten wir einen Unterstützungsburschen zur Bruna-Sudetia nach Wien. Später unterstützten wir auch die Begründung einer Aktivitas der inzwischen vertagten Dortmunder Burschenschaft Brandenburgia. Die ersten Aktiven dieser neuen Burschenschaft nahmen an unserem Paukbetrieb und unseren Fuxenstunden teil.
Das hervorragende Verhältnis zur VaB Bochum kommt dadurch zum Ausdruck, daß für ihre großen Verdienste um Arminia die VaB-Mitglieder Heinrich Adam, Roman Reiser, Paul Menzen, Hans Lukosch und Karl-Hans Ullrich das Ehrenband der Arminia erhalten haben.
Im Sommersemester 1977 wurde die Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken auf dem Burschentag in Linz/OÖ in den Ostdeutschen Bund aufgenommen. In die neue Satzung des Ostdeutschen Bundes, aus dem Jahr 1978 ist die Anrede "Du" und "Bundesbruder" unter allen Mitgliedern des Ostdeutschen Bundes aufgenommen worden.
100. Stiftungsfest bis heute
Das 100. Stiftungsfest im Juni 1979, daß sich mit seinem umfangreichen Programm über vier Tage erstreckte, bedeutete einen Markstein in unserer Bundesgeschichte: Die Prager Burschenschaft Arminia hat in Bochum fest Fuß gefaßt und sich einen guten Ruf sowohl bei anderen Korporationen als auch bei Nicht-Korporierten erarbeitet.
Anfang der achtziger Jahre setzten wir uns besonders für die Wiedervereinigung aller Burschenschaften in der Deutschen Burschenschaft ein.
Die herausragende Aktivität unseres Bundes in den achtziger und neunziger Jahren bestand darin, der tschechischen Sicht der Prager Hochschulgeschichte entgegenzutreten und in der Öffentlichkeit bekanntzumachen, daß Prag die älteste deutsche Universität und die älteste deutsche Technische Hochschule beheimatete. Dazu starteten wir eine publizistische Offensive, veröffentlichten eine Denkschrift sowie eine Festschrift und förderten eine Veranstaltung zum Gedenken an die Prager Universität im Rahmen der 600-Jahr-Feier der Universität Heidelberg im Jahre 1986, der drittältesten deutschen Universität. In diesem Zusammenhang gründeten wir den "Ring Prager Korporationen", eine dachverbandsübergreifende Arbeitsgemeinschaft von ehemals in Prag ansässigen Verbindungen.
1998 organisierten und leiteten wir den großen Festkommers "650 Jahre Universität Prag" in Erlangen.
Neben diesen ernsten, aber auch feierlich gestalteten Anlässen kam in der jüngsten Vergangenheit aber auch die fröhliche Komponente des Verbindungslebens nicht zu kurz. Große und kleine Stiftungsfeste, studentische Kneipen und gemeinsame Fahrten boten den Rahmen für ausgelassenes Feiern und für das bundesbrüderliche Gespräch. Politische, historische und zeitgeschichtliche Themen haben wir bei zahlreichen Burschenschaftlichen Abenden erörtert. Von den Festen ist etwa das Stiftungsfest 1988 hervorzuheben, das gleichzeitig ein Prager Burschenschaftertreffen umfaßte. Diese Begenung von Jung und Alt war das letzte Fest in dem malerischen Ort Michelstadt im Odenwald.
2002 feierten wir anläßlich des 50. Jahrestages unserer Wiederbegründung in München ein großes Stiftungsfest. Höhepunkt war die Festkneipe auf der weit über 200 Besucher mit uns feierten.
Die Kontakte zu unseren Bundesbrüdern in Aachen, Saarbrücken, Graz und Wien wurden durch wechselseitige Besuche gepflegt. Die Beziehungen zu unseren Freundschaftsbündern in Erlangen und Tübingen sind selbstverständlich auch nicht vernachlässigt worden und erleben zur Zeit eine neue Blüte.
1996 reisten sieben unserer Bundesbrüder sogar fast bis an das andere Ende der Welt, um in Chile am 100. Stiftungsfest der Burschenschaft Araucania Santiago teilzunehmen. Die Fahrtvorbereitungen hatten wir für die Deutsche Burschenschaft maßgebend gefördert, so daß 52 Burschenschaften aus Deutschland bei dem großen Jubelfest vertreten waren, wobei wir das zweitstärkste Kontingent stellten und zusammen mit drei weiteren Burschenschaften aus Deutschland auch chargierten.
Wir glauben, daß Geschichte hinterfragt und von allen Seiten beleuchtet werden muß und daß die aufrechterhaltenen guten Traditionen für uns Leitstern und Fixpunkt zum Aufbruch zu neuen Aufgaben im dritten Jahrtausend darstellen.
(Hans Krail und Christian Oppermann 1984, ergänzt 2001)
WS 2004/2005: Glanzvolles 125. Stiftungsfest in Bochum und erneuter Austritt aus der Burschenschaftlichen Gemeinschaft in der DB
WS 2004/2005: Beendigung des Verkehrsverhältnisses zu den B!B! des Ostdeutschen Bundes