Geschichte:
Die Geburt der Absolvia verlief recht unprosaisch. Nichts von Fackelzug, Theateraufführung, Festkommers. Hingegen aber Druck und Beklemmung in den Schülerseelen. Eine Schülervereinigung "Saxania" hatte den Zorn der hohen Obrigkeit erregt. Es gab einen Heidenklamauck. Beschluß der Betroffenen: nun noch geheimer. In diesem Augenblick trat der Direktor -Dr. Schnabel- das, der Situation nach beste, was er tun konnte: er wollte uns einmal vormachen, wie man einen Schülerverein richtig aufzieht, wir sollten ihm ruhig vertrauen und nach seinem Rate handeln.
Wer sich noch erinnern kann, wie stark man in den letzten Jahren der Schulzeit ist, wird ermessen können, welches Ringen um Entschlüsse begann. Wir, die Überstarken, sollten uns von unserem Direktor anleiten lassen?? Daß wir ihm dann doch folgten, spricht ebenso für die Kraft seiner Persönlichkeit, wie aber auch für den guten Geist derer, die am 12. November 1922 die Absolvia aus der Taufe hoben. [...]
Ostern 1923 schon verließen die ersten Absolvianer die Schule. Sie pflegten das junge Pflänzchen, das sie gesetzt hatten, draußen weiter. Aber auch in der Schule fanden sie Nachfolger. Begeisterte, den schönen Idealen von Freundschaft und Treue anhängenden Menschen, schufen den Stamm, aus dem sich dann die "Altherrenschaft" der Absolvia bildete. Wie schwer es in der damaligen Zeit der Inflation und der ihr nachfolgenden Krisen war, diesen Zusammenschluß aufrecht zu erhalten, [...] davon wollen wir nicht reden. Schon nach 2 Jahren aber, im Sommer 1925 gelang es, die erste Wiedersehensfeier in Bad Sachsa aufzuziehen. [...]
Schwer griff das Schicksal in unsere Absolvia ein, als der Kriegsausbruch weitere Zusammenkünfte in Bad Sachsa unmöglich machte, als die ersten Opfer aus dem Schlachtfeld gebracht werden mußten.
10 Jahre mußten wir fernbleiben, und als 1948 das erste Stiftungsfest nach dem Krieg stattfinden konnte, fehlten rund 100 unserer besten Kameraden, ungerechnet die vielen, die noch als vermißt gelten oder sich auch heute immer noch in Gefangenschaft befinden.
Hatten wir während des Krieges den Zusammenhalt noch auf dem Wege von häufigen Rundschreiben aufrecht erhalten könne, die besonders den im Feld befindlichen Kameraden Nachrichten aus dem Freundeskreis übermitteln sollten, so erschien der Zusammenbruch alles zu vernichten, was je geschaffen war.
In dieser Zeit tiefster Ohnmacht ergriff ein Mann das Panier der Absolvia, der als Ehrenmitglied seine Verpflichtung so stark fühlte, daß er alle Last und Arbeit auf sich bürdete, um den versprengten Haufen wieder zu sammeln. Wenn die Absolvia in der Nachkriegszeit gewissermaßen wiedergeboren wurde, so ist das ausschließlich und allein der Verdienst unseres VIKTOR GARTISER.
Unser Stiftungsfest findet jedes Jahr auf dem Schulhof, "unter der Linde", an Pfingsten statt!